"Abschied mal anders": Andacht zum 12. Juli 2020

Abi-Feiern, Schulentlassungen, Verabschiedungen - all diese Formen des Abschied-Feierns funktionieren zur Zeit nicht so richtig. Wie wir solche Übergänge auch in Corona-Zeiten begehen können, darum geht es in der Andacht von Pfarrer Moritz von Niedner vom 12. Juli 2020.

Hier können Sie die Andacht anhören:

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Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Abschied mal anders

Wer gerade vor einen Abschied steht, hat dafür leider einen denkbar schlechten Moment erwischt: Abiturientinnen und Abiturienten, Abschlussschülerinnen und -schüler müssen auf ihre große Feier verzichten. Unser Dekan Gerhard Schoenauer ist Ende Juni in den Ruhestand gegangen – was als große Verabschiedung geplant war, konnte nur ein Gottesdienst zu fünft werden. Noch schlimmer ist es bei Trauerfeiern: Bis vor wenigen Wochen durften nur 15 Personen kommen, oft mussten selbst enge Familienangehörige draußen bleiben. Und weil die Kirche zu klein ist, muss auch jetzt noch alles auf dem Friedhof stattfinden, ohne Orgel, ohne Chor.

Abschiede gehören zum Leben – mit ihnen beginnt der Übergang von einer Lebensphase in die nächste. Manchmal kann man sie kaum erwarten, oft aber ist einem auch ein bisschen mulmig: Etwas Vertrautes ist vorbei, und was einen erwartet, das weiß man nicht so genau.

Und darum ist es gut und wichtig, dass wir solche Übergänge begehen, dass wir sie feiern – ja, auch wenn uns der Abschied schwerfällt, weil etwas zu Ende ist, was uns lieb und wert war, können wir das feiern und dankbar zurückblicken, sogar wenn ein Mensch gestorben ist, wir sprechen ja auch von einer Trauer-Feier.

In der Corona-Zeit funktionieren viele Abschiede nicht so, wie wir es gewohnt sind. Aber dafür gibt es Raum für neue Ideen. Wenn die Schulaula zu klein ist, warum nicht eine Abi-Feier unter freiem Himmel oder im Auto-Kino? Wenn es keine Verabschiedung mit Reden und Grußworten geben kann, warum nicht aus den geplanten Beiträgen ein Abschiedsbuch zusammenstellen – mit Dank und guten Wünschen?

Denn auch das gehört für mich als Christ zur Feier eines Abschieds: dass wir nicht einfach so alleine in eine ungewisse Zukunft geschickt werden, sondern dass wir einen Segen mit auf den Weg bekommen.

Segen, das ist die Zusage: Dein Weg wird zu einen guten Ziel führen. Du wirst deinen Weg nicht alleine gehen müssen – weil Gott dich begleitet und führt.

Dieser Segen kann ganz verschieden daher kommen: in einem großen Festgottesdienst genauso wie in dem Kreuzzeichen, das die Oma dem Enkel auf die Stirn zeichnet, oder in dem einfachen Satz „Gott behüte dich!“. Dass dieser Segen gilt, hängt nicht davon ab, wie groß er zelebriert wird – denn das machen nicht wir Menschen, sondern dafür sorgt Gott.

Amen.

Pfarrer Moritz von Niedner