"Alles wird gut": Andacht zum Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020

Auch Noah macht auf der Arche eine Kontaktbeschränkung besonderer Art durch. Aber der Regenbogen erinnert daran: Gott hält uns zu uns Menschen. Darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner zum Sonntag Trinitatis.

Hier können Sie die Andacht anhören:

200607 Trinitatis Alles wird gut.mp3

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Alles wird gut

Andacht zu Trinitatis, 7. Juni 2020

Als Corona Mitte März die Welt auf den Kopf stellte, sollten wir alle so viel wie möglich zu Hause bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das war nicht einfach, aber es hat den gewünschten Erfolg gebracht, Gott sei Dank. Dafür haben sich in dieser Zeit andere Dinge ausgebreitet. Viele Kinder haben zum Beispiel Bilder gemalt von einem bunten Regenbogen, direkt auf die Fensterscheibe, mit Kreide auf den Gehweg oder auf Plakate, die dann gut sichtbar aufgehängt wurden. Für die Kinder war das eine willkommene Abwechslung und – trotz Kontaktverbot – eine große Gemeinschaftsaktion. Sie haben erfahren: wir sind nicht allein mit der Situation. Alles wird gut. Dieser Satz war auch auf vielen Regenbogenbildern zu lesen.

Ein Regenbogen entsteht durch die Brechung des Sonnenlichts in den einzelnen Tropfen. Die Lichtstrahlen werden in die sieben Farben des Spektrums zerlegt. Um ihn zu sehen, muss man zwischen der Sonne und dem abziehenden Regenschauer stehen. Und auch wenn sich das alles nüchtern erklären lässt, ist so ein Regenbogen doch immer ein beeindruckendes Schauspiel. Nicht nur Kinder geraten da in ehrfürchtiges Staunen. Kein Wunder, dass der Bogen zwischen Himmel und Erde in vielen Kulturen auch eine religiöse Bedeutung hat.

In der Bibel ist der Regenbogen ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Als nach der großen Sintflut endlich wieder Land in Sicht war, versprach Gott Noah und den anderen Überlebenden: so etwas soll es nie wieder geben. Was auch immer passiert, ich bin auf eurer Seite. Alles wird gut. Der Regenbogen sollte alle daran erinnern: Noah und seine Familie, aber auch Gott selbst.

Noah ist ja Experte, wenn es um die Bewältigung einer außergewöhnlichen Krise geht. Gott war über die Bosheit der Menschen am Verzweifeln und wollte dem Ganzen ein Ende machen. Nur Noah sollte der Vernichtung entgehen. Dazu waren ungewohnte, nie dagewesene Maßnahmen nötig: Noah musste eine Arche bauen – ein riesiges Rettungsboot für seine Familie und jeweils ein Paar von allen Tieren. Draußen tobte das Chaos, nur die monatelange radikale Abschottung rettete den Menschen und Tieren auf der Arche das Leben. Kontakt gab es nur zu den Mitgliedern des eigenen Hausstands – wenn der auch sehr speziell aussah. Bei so unterschiedlichen Insassen auf engstem Raum sind Streit, Lagerkoller und angespannte Nerven sicher nicht ausgeblieben. Noch dazu wusste niemand, wie lange die Quarantäne dauern sollte und wie die Erde danach aussehen würde. Es vergingen Monate, bis die Insassen der Arche wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Und dann sehen sie den Regenbogen, Gottes neues Zeichen der Hoffnung, und sie wissen: Alles wird gut.

Eigentlich ist in der biblischen Geschichte übrigens nur vom „Bogen“ die Rede: gemeint ist eine Waffe. Wenn Gott sagt: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken,“ dann heißt das: Gott hat das Kriegswerkzeug an den Nagel gehängt, er will sich nicht mehr mit Gewalt gegen die Menschen wenden. Verdient hätten sie es – aber Gott verspricht ihnen trotzdem die Treue, egal, wie sie sich aufführen und auch wenn sie weiter schuldig werden.

An Noah musste ich in den Wochen der Isolation öfter denken. Manche Erfahrung, die wir gemacht haben, wäre ihm wahrscheinlich bekannt vorgekommen. Manchmal muss man einschneidende Maßnahmen ergreifen, um eine schwierige Zeit zu überstehen. Die Gefahr durch die Sintflut war noch viel größer als die durch Corona. Aber größer als alle Gefahr ist Gottes Versprechen: ich halte zu euch. Daran erinnert der Regenbogen, ob in echt am Himmel oder von Kindern gemalt: Alles wird gut.

Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner