"Gott ist da!": Andacht zum 13. September 2020

Jakob liegt mit seinem Zwillingsbruder Esau im Dauerclinch - bis er auf der Flucht eine Begegnung mit Gott hat. Darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner.

Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Gott ist da

Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis

Streit unter Geschwistern gehört wohl für alle zum Familienalltag, die nicht gerade als Einzelkinder aufwachsen. Gott sei Dank vertragen sich die meisten Kinder schnell wieder, auch wenn sie eben noch heftig gestritten haben. Auch in der Bibel gibt es viele Geschichten von Geschwistern, bei denen immer wieder die Fetzen fliegen. Auf die Spitze getrieben haben es die Zwillinge Esau und Jakob. Da ging das Hickhack angeblich schon im Mutterleib los: beide wollten als erste raus. So unterschiedlich die beiden waren, so groß war die Konkurrenz: sie stritten sich um die Rechte des Erstgeborenen und um die Liebe der Eltern. Dabei kämpften sie mit richtig unfairen Mitteln, mit Betrug und Intrigen; aus dem eigentlich harmlosen und normalen Streit unter Geschwistern wurde grenzenloser Hass. Am Ende musste Jakob fliehen, weil er – zu Recht! – um sein Leben fürchtete. „Zu einem Streit gehören immer zwei“, sagt man gerne – aber in diesem Fall war Jakob eher Täter als Opfer.

Am 14. Sonntag nach Trinitatis geht es um eine Episode dieser Geschichte, die im ersten Buch Mose aufgeschrieben ist. Da wird erzählt, wie Jakob auf der Flucht vor seinem Bruder Esau ist, er rennt um sein Leben und muss sich verstecken. Als es Nacht wird, legt er sich unter freiem Himmel schlafen, mit einem Stein als Kopfkissen. Er träumt von einer Leiter, auf der Engel auf- und absteigen. Am oberen Ende der Leiter steht Gott, der Jakob im Traum anspricht und ihm eine große Zukunft verspricht.

Als Jakob am nächsten Morgen wach wird, stellt er erstaunt fest: Gott ist da! Er erkennt: Gott kann einem überall und jederzeit begegnen. Auch in Hektik und Angst mitten in der Nacht irgendwo auf der Flucht. Auch einem streitsüchtigen Menschen mit reichlich Dreck am Stecken wie ihm. Gott will ausgerechnet mit ihm zu tun haben – und das, obwohl Jakob sich schon so viel hat zu Schulden kommen lassen.

Diese Gottesbegegnung in der Nacht hat Jakob verändert. Sein Leben verlief danach in geordneteren Bahnen. Es lag ein Segen auf allem, was er anfing. Am Ende schaffte er es sogar, mit seinem Bruder wieder Frieden zu schließen – aber bis dahin war es ein langer Weg. Und genau genommen war es wieder nicht Jakob, der für den friedlichen Ausgang sorgte – da hatte mal wieder Gott seine Finger im Spiel.

Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner