"Mit Gott am Küchentisch": Andacht zum 26. Juli 2020

Viele Corona-Beschränkungen gelten nicht für Mitglieder eines gemeinsamen Hausstands. Wie gut, dass Gott in jedem Haus mit am Tisch sitzt. Darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner zum 7. Sonntag nach Trinitais.

Hier können Sie die Andacht anhören:

200726 6nTr Mit Gott am Küchentisch.mp3

Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Mit Gott am Küchentisch

Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juli 2020

Die Mitglieder des eigenen Hausstands sind von den meisten Corona-Regeln ausgenommen: Abstand halten, Maske tragen, Kontakte vermeiden – all das gilt nicht für Menschen, die miteinander unter einem Dach leben. Das liegt einfach daran, dass man sich schlecht aus dem Weg gehen kann, wenn man zusammen lebt. Wer miteinander am Esstisch sitzt, vielleicht auch das Bett teilt, und sich im Alltag ständig nahe kommt, der teilt so ziemlich alles: auch diverse Bazillen und Krankheitserreger. Viele waren in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen froh, wenn sie nicht alleine im Haus waren – manche haben das Familienleben neu zu schätzen gelernt. Für andere war die ungewohnte und ungewollte Nähe zu viel, und die Schicksalsgemeinschaft hat die Nerven auf eine harte Probe gestellt.

Der Spruch für die Woche, die mit dem 7. Sonntag nach Trinitatis beginnt, steht im Epheserbrief im 2. Kapitel und lautet: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Man kann also sagen: Gott gehört auch zu den Mitgliedern des eigenen Hausstands. Er kommt uns nah, sitzt quasi mit am Küchentisch und teilt alles, was unser Menschenleben ausmacht: die kleinen und großen Freuden genauso wie Angst und Sorgen, ja sogar den Tod. Und weil Gott Gott ist, tut er das nicht nur in einem Hausstand – er ist überall mit dabei.

Aber das ist noch nicht alles. Gott wohnt nicht nur mit uns unter einem Dach. Er hat auch an seinem Tisch einen Platz für uns reserviert: nämlich in seinem Reich. Da dürfen wir dann nicht nur als seltene Gäste auftauchen, sondern wir haben unseren festen Platz – als Gottes Hausgenossen, sozusagen als Mitglieder seines Hausstands.

Die Bibeltexte, die für den 7. Sonntag nach Trinitatis vorgesehen sind, erzählen von der Gemeinschaft, die wir beim Abendmahl feiern. Momentan ist das nicht so einfach möglich, und das fehlt vielen Menschen. Aber um die Ansteckungsgefahr möglichst klein zu halten, müssen wir uns wohl noch eine Weile gedulden, bis wir die Gemeinschaft wieder unbefangen erleben können. Aber wir wissen ja, wie sich das anfühlt – und es ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bei Gott erwartet: das große Fest an seinem Tisch in seinem Reich – ohne Einschränkungen durch Sorgen, Krankheit und Tod. So nah kommen sich sonst nicht einmal die Mitglieder des eigenen Hausstands.

Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner