"Sänger, Kämpfer, Gottes Boten": Andacht zum 27. September 2020

Der 29. September ist der "Tag des Erzengels Michaels und aller Engel". Engel sind aus Kunst und Kirchen nicht wegzudenken, und dass Engel mehr sind als niedliche Wesen mit Flügeln und Pausbacken, darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner.

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200927 Michaelis Sänger, Kämpfer, Gottes Boten.mp3

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Sänger, Kämpfer, Gottes Boten

Andacht zum 27. September 2020

Die Michaeliskirchweih in Fürth oder die größte Kirche in Hamburg, den „Michel“, kennen viele – aber der Michaelistag wird in der evangelischen Kirche nur selten begangen. Genau genommen heißt er „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“, und er fällt auf den 29. September. Darum soll es heute um Engel gehen.

347-mal kommt allein das Wort „Engel“ in der Lutherbibel vor. Dabei sind Engel keine Erfindung der Bibel oder der jüdisch-christlichen Tradition. Man hat hier die Vorstellungswelt älterer Kulturen und Religionen übernommen. Bis heute wird der Glaube an Engel in vielen Religionen gepflegt.

Die Engel, von denen die Bibel erzählt, haben ganz unterschiedliche Funktionen. Sie schützen und helfen in der Not. So befreit ein Engel die gefangenen Apostel aus dem Gefängnis – und rettet sie vor der drohenden Todesstrafe. Ein anderer stellt sich Bileam in den Weg und verhindert, dass er direkt ins Verderben rennt.

Engel umgeben den himmlischen Thron und lobsingen Gott. So ist zum Beispiel in dem bekannten Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ von Engeln die Rede. Sie dienen Gott und rufen unentwegt „Heilig, heilig, heilig!“

Engel können aber mehr als Frohlocken – sie erscheinen auch als tapfere Kämpfer für die Sache Gottes. Der Erzengel Michael zum Beispiel wird gerne mit entschlossenem Blick und einem scharfen Schwert dargestellt. In der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, wird von seinem Kampf gegen den Drachen, die Macht des Bösen, erzählt. Die Geschichte will sagen: Gott ist stärker! Seine Herrschaft in dieser Welt ist schon angebrochen – und die Engel stehen ihm als Helfer und Diener zur Seite.

Am häufigsten wird von Engeln erzählt, die als Boten Gottes auftreten. Sie überbringen Nachrichten oder begegnen den Menschen im Traum. Oft sind sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen und auch nicht für alle sichtbar. Ein Engel spricht im Traum zu Josef und hält ihn davon ab, die schwangere Maria zu verlassen. Die Frauen am Grab stoßen auf einen Engel, der ihnen sagt: Jesus ist nicht hier – er ist auferstanden.

Bis heute sind Engel nicht wegzudenken aus der bildenden Kunst und Architektur, aus Musik und Film – und zwar nicht nur kurz vor Weihnachten in Form von niedlichen Wesen mit Flügeln und roten Pausbacken. Offenbar treffen sie einen Nerv bei uns. Wahrscheinlich tun wir uns mit dem Gedanken an Engel leichter als mit dem Glauben an einen abstrakten Gott. Gleichzeitig merken wir, dass es in der Welt mehr gibt als das, was wir mit unserem Verstand begreifen und naturwissenschaftlichen Methoden erklären könnten. Gott ist erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, uns Menschen nahe zu kommen. Denn genau dafür sind Engel da. Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner